ROCKNACHT in FREISEN !
![]() | |
Der Herr lenkt, der Mensch denkt, der Saarländer - schwenkt." | ![]() |
(Alte Volkweisheit)
Spätestens bei Einbruch der ersten Sonnenstrahlen, beim ersten Versuch der Quecksilbersäule die kritische Marke von 20°C zu überschreiten hat die Saison offiziell begonnen - DER saarländische Volkssport SCHWENKEN.
Was ist Schwenken ?
Erstmal vorneweg für euch armen Schlucker im Reich (saarländische Bezeichnung für Restdeutschland hinter der Pfalz...) eine kleine Beschreibung dessen was die hiesige Bevölkerung alljährlich zu Höchstleistungen anspornt. Zum Schwenken braucht man folgendes.
1. Einen Schwenker,
also ein Grillgerät bestehend aus einem sog. Dreibein, drei Standbeinen aus solidem Rohgestell (Standard Eisenrohr, bis deluxe V4A Edelstahl) an deren oberem Ende kunstvoll eine Halterung für eine Kette, an welcher der Rost baumelt, angebracht ist. Die Halterung variiert je nach Bauart und Herkunft von einem einfachen Umlenkbügel bis zu kugelgelagerten Umlenkrollen. Der Rost am Ende der Kette ist meist Rund mit einem Durchmesser ab 30cm aufwärts. Die Hitzequelle, meist durch verbrennen fossiler Brennstoffe, vorzugsweise Buchenholz befindet sich zentral unter dem Dreibein. Meist als offenes Feuer auf einer Feuerstelle oder in diversen Eigenkonstruktionen zur besseren Durchlüftung (Waschmaschinentrommel). Wie man hier schon erkennen kann ist der Schwenker nicht unbeding ein überall käuflich zu erwerbendes Produkt. 98% Aller Schwenker sind deshalb in Eigenregie entstanden oder über die örtlich ansetzige Montan- und Schwerindustrie Grub, Hütte "organisiert" worden.
2. Schwenkbraten,
oft auch Grillsteak, Grillscheibe oder ähnlich genannt. Ein Stück Schweinefleisch welches über Tage in einer Marinade aus Öl, Zwiebeln und " les species secrete "
(Geheimer Würzmischungen) eingelgt wird. "Schwenkbrode"
3. Bier, Ur-Pils
ohne Bier läuft beim Schwenken gar nichts. Bier wird benötigt um den Rost zu reinigen, Kehle, Lager und Kette gangbar zu machen und auch lauffähig zu halten und um den auf dem Rost dahinbruzelnden Schwenkbraten von Ziet zu Zeit besprühen.......
4. Grillbesteck,
äußerst wichtig hierbei ist die sog. Grillzange oder Hoge, die außer zum Wenden der leckeren Fleischbatzen auch zum drehen un hin- und herschwenken (daher auch der Name) des Rostes über dem Feuer Verwendung findet.
Der Ablauf !
Erstmal ein Bier trinken oder 2, Schwenken braucht Ruhe und Muße. Feuer in Gang bringen (ohne Beschleuniger, hier ist Handarbeit gefordert), Rost heiß werden lassen und anschließend mit Bier und Zeitung säubern. Schwenkbraten auflegen, "Roscht " auf tiefe Stellung. Scharf anbraten (ca. 4-5 min) danach wenden und Prozedur wiederholen. Danach Roschtposition erhöhen und Schwenkbarten langsam ca. 15-20 min garschwenken, dabei nie den Rost zum Stillstand kommen lassen. Zwischendurch viel Bier trinken und die Braten von Zeit zu Zeit mit dem köstlichen Gerstensaft " beträufeln " nicht alles.....
Traditionell wird zu Schwenkbraten Kartoffel ( Krombeer ) oder Nudelsalat gereicht, gertrunken wird - genau Bier (Ur-Pils ) vorzugsweise vom Fass.
Schwenken braucht Ruhe, Muße und einen erfahrenen Schwenker (diesmal derjenige der Schwenkt - saarländische Wortfaulheit) und reichlich vergorenen Gerstensaft, vorzugsweise genau Ur-Pils.
Noch bemerkt sei folgendes:
Es gibt nichts schlimmeres als einen Saarländer mit den Worten !
" Dei Vatter konnt ach schon net schwenke... "
zu beschimpfen
vermeiden sie auf jeden Fall diese Beschimpfung.
Vom Gesundheitlichen Standpunkt liegt der Schwenker zwar nicht mehr auf der Höhe der Zeit, da Fett ins offene Feuer fallen kann und dadurch krebsverdächtige Stoffe entstehen können, die jedoch auch in der Bratpfanne entstehen können. Rauchen und am Straßenrand joggen ist definitiv ungesünder als Schwenken..
Ich finde man sollte diesen Regionalsport, dem jedes Wochenende mind. 50% der Saarländer nachgehen hinaus in alle Lande tragen und somit etwas unseres "Savoir vivre" oder auf Saarländisch " Hauptsach gudd gess " weitergeben. Bei Fragen zum Schwenken stehe ich gern zur Verfügung. Wer solch ein Gerät sein Eigen nennen will, sollte sich mal bei dem Saarländer seines Vertrauens melden, vielleicht kann man ja was "organisieren"... an sonsten ist Heimwerken angesagt.
So jetzt muss ich aber wieder raus an die frische Luft, ich denke ich hab da gerade den Duft eines Schwenkbraten wahrgenommen...
PS. „Angeschwenkt“ kann auch bei Schnee werden !
Gruß der Saarschwenker !

